Ob sportlicher Flitzer, luxuriöse Limousine oder praktischer Kompaktwagen – das Traumauto ist für viele Menschen mehr als nur ein Fortbewegungsmittel.
Es steht für Freiheit, Status, persönliche Werte und Emotionen. Doch worin unterscheiden sich die automobilen Wunschträume zwischen Männern und Frauen? Und welche Rolle spielen Alter, Generationenzugehörigkeit und technische Trends dabei?
Aktuelle Umfragen und Studien geben interessante Einblicke in die unterschiedlichen Präferenzen, die beim Autokauf und bei Wunschfahrzeugen eine Rolle spielen. Dabei zeigen sich überraschend deutliche geschlechts- und altersspezifische Muster – von der Wahl der Marke über das Design bis hin zur Antriebsart.
Aktuelle Umfrageergebnisse: Wunsch vs. Wirklichkeit
Laut einer im Mai 2025 veröffentlichten repräsentativen Umfrage von t-online und dem Meinungsforschungsinstitut Civey fahren nur 19 Prozent der Deutschen ihr persönliches Traumauto. Die große Mehrheit – rund 67 Prozent – gibt an, mit dem derzeitigen Fahrzeug zwar zufrieden zu sein, es aber nicht als „Traumwagen“ zu empfinden.
Besonders interessant: Die Differenz zwischen Wunsch und Realität ist bei jüngeren Menschen besonders groß. Unter 35-Jährige geben häufiger an, sich ein emotionaleres, designorientiertes Fahrzeug zu wünschen. Im Gegensatz dazu sind ältere Menschen oft pragmatischer und setzen auf bekannte Marken, Komfort und Alltagstauglichkeit.
Ein 34-jähriger Umfrageteilnehmer formulierte es so: „Mein Traumauto wäre ein Porsche 911 – aber mit Familie und zwei Kindern ist es eben der VW Passat Kombi geworden.“
Geschlechtsspezifische Unterschiede: Design oder Sicherheit?
Ein auffälliger Unterschied in den Wünschen zeigt sich zwischen den Geschlechtern: Während für 61 Prozent aller Befragten das Design des Fahrzeugs wichtig ist, legen Männer im Schnitt noch größeren Wert darauf als Frauen. Bei den unter 35-Jährigen erhöht sich der Wert sogar auf 66 Prozent, wobei sportliche Linien und kraftvolle Motorisierung häufig gewünscht sind.
Frauen hingegen priorisieren eher Sicherheitsaspekte. So nannten 59 Prozent der befragten Frauen Sicherheit als entscheidenden Punkt beim Traumauto – im Vergleich zu nur 45 Prozent der Männer. Auch Zuverlässigkeit und Komfort haben für viele Frauen eine höhere Priorität als für Männer.
So erklärt Autoexpertin Dr. Nadine Reuter im Gespräch mit t-online: „Frauen träumen nicht weniger von Autos – sie denken beim Traumauto aber oft an Sicherheit für sich und ihre Familie, nicht an Geschwindigkeit und Motorleistung.“
Altersabhängige Präferenzen
Der Altersfaktor spielt eine entscheidende Rolle bei den automobilen Vorlieben. Die Studie zeigt: 37 Prozent der unter 35-Jährigen träumen von einem Sportwagen – bei den über 35-Jährigen sind es nur noch 26 Prozent. Hingegen wünschen sich 38 Prozent der älteren Befragten praktische Fahrzeuge wie den VW Golf, Audi A4 oder Ford Focus – bei den Jüngeren sind es nur 33 Prozent.
In der jüngeren Zielgruppe zählen nicht nur Design und Leistung, sondern auch technologische Features wie Konnektivität, Assistenzsysteme oder personalisierbare Software. Eine 27-jährige Umfrageteilnehmerin bringt es auf den Punkt: „Ich will ein Auto, das sich mit meinem Handy versteht, das mir sagt, wann ich tanken muss, und das am besten auch noch selbst parkt.“
Umwelt- und Preisbewusstsein: Wunschdenken und Realität
Trotz öffentlicher Diskussionen um Klimawandel und Emissionen zeigt die Umfrage, dass Umweltfreundlichkeit bei der Wahl des Traumautos eher eine untergeordnete Rolle spielt. Nur 21 Prozent der Befragten nennen Nachhaltigkeit als primäres Entscheidungskriterium. Bei den unter 35-Jährigen liegt der Wert geringfügig höher bei 23 Prozent.
Wichtiger ist für die Mehrheit das Verhältnis von Preis und Leistung. Hier stimmen 55 Prozent der Teilnehmenden zu, dass dieser Punkt entscheidend für die Wahl des Wunschautos sei. Es zeigt sich ein klarer Pragmatismus, der insbesondere bei Familien und mittleren Einkommensgruppen stark ausgeprägt ist.
Generationenunterschiede: Gen Z und Millennials vs. Boomer
Die jüngeren Generationen – insbesondere die sogenannte Gen Z – haben ein anderes Verhältnis zum Auto als ihre Eltern oder Großeltern. Für sie steht nicht mehr das Besitzen, sondern das Nutzen im Vordergrund. Digitale Dienste wie Carsharing, Abo-Modelle oder flexible Leasingangebote gewinnen an Relevanz.
Laut einer aktuellen Salesforce-Studie wünschen sich 79 Prozent der 18- bis 34-Jährigen eine KI-gestützte Beratung beim Autokauf, 68 Prozent wollen intelligente Finanzierungsoptionen, und 74 Prozent erwarten eine personalisierte Ansprache – etwa durch Push-Nachrichten über den besten Zeitpunkt zum Fahrzeugwechsel.
Ältere Generationen hingegen setzen stärker auf Beständigkeit. Für sie ist das Auto ein langfristiger Begleiter. Sie bevorzugen klassische Kaufmodelle, legen Wert auf bewährte Marken und technische Einfachheit. Ein 61-jähriger Befragter beschreibt seine Sicht: „Ich brauche keinen digitalen Schnickschnack. Ich will ein Auto, das funktioniert – auch ohne App.“
Sozio-psychologische Faktoren: Status, Geschlecht und Emotion
Autos sind mehr als nur technische Objekte – sie sind emotionale Projektionsflächen. Für viele Männer steht das Fahrzeug symbolisch für Kontrolle, Leistung und Selbstbestätigung. Studien zeigen, dass Marken wie BMW, Audi oder Porsche besonders stark mit Männlichkeitsnarrativen aufgeladen sind.
Eine Untersuchung der Universität Leipzig aus dem Jahr 2024 kommt zu dem Schluss: „Männer nutzen das Auto als Mittel zur Inszenierung von Erfolg und Stärke, während Frauen es stärker funktional betrachten.“ Gleichzeitig mehren sich Stimmen, die fordern, das Automarketing müsse inklusiver werden und sich von überholten Rollenbildern verabschieden.
Tatsächlich bevorzugen viele Frauen kompakte Fahrzeuge, die leicht zu parken, zuverlässig und sicher sind. Besonders beliebt sind der Mini, der Fiat 500 oder der Toyota Yaris – Fahrzeuge, die als praktisch gelten und oft auch mit emotionalem Design punkten.
Elektroautos und der Gender-Gap
Die Elektromobilität verändert das Bild vom Traumauto – allerdings nicht für alle gleichermaßen. Studien zeigen, dass Männer tendenziell offener für Elektroautos sind, während Frauen häufiger Sicherheits- und Ladebedenken äußern. Eine Erhebung der International Transport Forum (OECD, 2024) zeigt: Frauen empfinden die Ladeinfrastruktur oft als unsicher oder unpraktisch.
Ein weiteres Hindernis ist die teils technische Kommunikation rund um E-Fahrzeuge. Diese spricht häufig technikaffine Männer an, vernachlässigt jedoch emotionale und sicherheitsrelevante Aspekte, die für viele Frauen relevant wären. Branchenexperten fordern deshalb ein Umdenken im Marketing.
Trend-Ausblick: Vom Sportwagen bis zum Microcar
Während der Porsche 911 und der BMW M4 weiterhin auf vielen Wunschlisten stehen, gewinnen kompakte, effiziente Stadtfahrzeuge zunehmend an Bedeutung – besonders bei jüngeren Zielgruppen und in urbanen Regionen. Modelle wie der Mazda 2, der Hyundai i10 oder der elektrische Smart EQ erfreuen sich wachsender Beliebtheit.
Zudem steigen die Verkaufszahlen bei Abo-Modellen und flexiblen Mobilitätslösungen, bei denen Nutzerinnen und Nutzer verschiedene Fahrzeuge je nach Bedarf einsetzen können. Der Trend geht also klar zur Mobilität als Service – besonders unter 40-Jährige zeigen hier große Offenheit.
Ein weiteres Beispiel für den Wandel: In Skandinavien bieten immer mehr Hersteller geschlechtsneutrale Testfahrten an – ohne Verkäuferdruck und mit Fokus auf persönliche Lebenssituation statt auf Fahrzeugdaten. Das Modell könnte auch in Deutschland Schule machen.
Differenziert und zielgruppenspezifisch
Das Traumauto ist ein Spiegel gesellschaftlicher Entwicklungen – und dieser Spiegel zeigt klare Unterschiede zwischen Geschlechtern und Generationen. Während junge Männer von sportlichen Fahrzeugen träumen, bevorzugen Frauen oft sichere und praktische Modelle. Ältere Generationen setzen auf bewährte Konzepte, jüngere auf Technologie, Vernetzung und Flexibilität.
Für Autohersteller und Händler ergibt sich daraus eine wichtige Erkenntnis: Erfolgreiches Marketing und Produktdesign müssen differenziert und zielgruppenspezifisch sein. Wer nur auf PS, Prestige und Männlichkeit setzt, vergibt großes Potenzial – insbesondere bei weiblichen Käuferinnen und jüngeren Mobilitätskunden.
Die Zukunft des Traumautos ist damit nicht nur elektrisch, sondern auch vielfältig. Sie wird geprägt sein von Individualisierung, intelligenter Technologie und einer neuen Balance zwischen Emotion und Alltagstauglichkeit.
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